rechts : Lilli Kreimeyer
am Pferd : Linda Tellington-Jones
Linda Tellington-Jones, Kanadierin (73) entwickelte vor vielen Jahren die „Tellington-Methode“, eine Form der Körperarbeit mit dem Tier, die dessen Unbehagen, Schmerz oder Angst beheben und das Vertrauen zum Menschen stärken soll. Man berührt das Tier mit den „TTouches“ in kreisenden Bewegungen, um sein Körperbewusstsein und Wohlbefinden zu verbessern. Mit Hilfe von Bodenübungen oder bei Pferden Lektionen unter dem Sattel intensiviert man das Verhältnis zu seinem Tier und erntet für seine Bemühungen und die respektvolle Behandlung seines Weggefährten dessen Vertrauen.
April 2010 : Linda Tellington-Jones, diese berühmte Kanadierin reist nicht nur nach Deutschland, nein sogar nach Dudenhofen, in meinen Reitstall.
Sie bot ein Seminar zum Zuschauen oder auch Mitmachen mit dem eigenen Pferd an.
Lilli Kreimeyer (18) und Chero (9) sahen in dem Tag ihre Chance, gemeinsam eine Lösung für das Pferd, das nicht verladen werden, also in brenzligen Situationen auf seinen Reiter vertrauen wollte, zu finden. „Beim Üben steigt mein Pferd immer in den Hänger und hat keine Angst. Sobald es auf ein Turnier geht und ich nervös bin, stellt Chero auf stur“, so die 18-jährige zu Beginn des Seminars.
Linda lächelt. Achso, Lilli ist nervös. Wo da dann wohl Cheros Problem liegt?
Schnell wurde klar, dass Linda zunächst einmal bei der Besitzerin anfangen musste: „Du bist nervös. Das merkt dein Pferd. Du kannst ihm keine Sicherheit und kein Vertrauen mehr vermitteln und es zögert – wie du“, so die 73-jährige. „Aha – und jetzt?“, dachte sich Lilli damals. Zurück zum Anfang lautete die Devise der Tellington-Jones: Sie lehrte Pferd und Mensch noch einmal, ganz von vorne das selbstbewusste Führen des Menschen, steigerte ihre Arbeit dann, indem sie mit Planen und Gerten einen Hänger simulierte.
„Good boy“ sagte sie immer wieder, vermittelte dem Tier Vertrauen und lobte seine Sensibilität und Bereitschaft zur Mitarbeit. Und siehe da: Nach viel Vorarbeit und geduldigen Ratschlägen der Pferdefrau standen Lilli und ihr Pferd im Hänger – rückwärts, vorwärts, drehend, lang, kurz, wie sie wollte – es sei denn, das Mädchen wurde unsicher. „WOW“ – Linda war von ihrer eigenen Arbeit überrascht und bestätigte sich und die Zuschauer einmal wieder darin, wie viel Einfluss die Körpersprache und sogar die Gefühle des Menschen auf die Reaktionen ihres Tiers haben.
Früher musste Lilli ihr Pferd fast in den Hänger tragen – heute steigt Chero innerhalb weniger Minuten in das Transportfahrzeug.
Selbstsicherheit, Geduld, Klarheit und Entspannung – die Schlüsselworte zum Erfolg. Und das gilt nicht nur für Pferde und die Tellington-Methode. Tiere und vor allem deren Gefühls- und Gedankenwelt müssen ernst genommen werden. Dass das fruchtet, zeigte Lilli, deren Pferd heute mehr Vertrauen zu ihr hat, als jemals zuvor.
In der nächsten Woche stelle ich euch dann ein paar „Ttouches“ (Ti-Tatsches gesprochen) vor, die ihr bei euren eigenen Tieren (bei JEDEM Tier anwendbar!) ausprobieren und verschiedene Probleme so behandeln könnt….Seid gespannt und lasst euch überraschen!
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