Dienstag, 23. November 2010

Weniger ist mehr

 Die sinnvollere Alternative zu dem umstrittenen deutschen Reitsystem „FN“ heißt „Ecole de Légereté“. Die zu deutsch lautende Reitweise „Schule der Leichtigkeit“ unterstützt der Reitmeister Philippe Karl mit der Idee, Kraft und Zwang beim Reiten durch Gymnastizierung und Leichtigkeit zu ersetzen.

„Beine zu, Kreuz anspannen, Hände tief“: Kommandos wie diese sind in den Reitschulen heutzutage Alltagsprogramm. Sitzt das Kind scheinbar wie festgeklebt im Sattel, räumt es auf jedem Turnier Preise ab. Schön – und das Pferd?
Leider bedeutet festgeklebt gleichzeitig festgeklemmt und das tut dem Tier, an dem sich da festgeklammert wird, alles andere als gut.
Nur wer denkt denn heute noch an das Pferd, wenn Pokale in Aussicht sind? Leider viel zu wenige.
Das Zauberwort, das für die Ecole de Légereté und gegen vorherrschende Zustände im Turniersport spricht, lautet Gymnastizierung.
Durch eine Dehnung des Pferdes von Hals bis Hinterhand wird dieses optimal gearbeitet und kann Muskeln aufbauen. Ein verspannter, nicht locker sitzender und das Pferd durch grobe Hilfen blockierender Reiter wird sein Tier niemals entspannen können.

                                                     Oft reicht auch weniger Einwirkung auf das Pferd: Negra kann ihren Hals schön dehnen und ihren Rücken aufwölben - so ist es leichter für sie, das Reitergewicht zu tragen


Die „Schule der Leichtigkeit“ basiert auf der Idee, den Gehorsam des Pferdes durch einen Dialog mit ebendiesem ganz einfach herzustellen. Außerdem sollte der Reiter das Pferd gründlich in seiner Physiologie und Psychologie kennen, um anatomische wie auch psychische Abläufe in seinem Tier einschätzen und darauf reagieren zu können.
„Weniger ist mehr“ gilt auch in diesem Fall: Es geht darum, die Hilfen beim Arbeiten des Pferdes sparsamer einzusetzen, denn viel Druck vom Reiter erzeugt nur Gegendruck vom Pferd – und das ist wahrlich nicht das Ziel.

Den Reitern der heutigen Zeit muss wieder begreiflich gemacht werden, dass es, im Interesse des Tiers, nicht um die äußerlich perfekt wirkende Präsentation geht. Das Augenmerk sollte wieder, wie bei den alten Reitmeistern wie La Guériniere, auf der idealen Gymnastizierung des Pferdekörpers liegen. Durch das Reiten sollte das Körperbewusstsein und das Gleichgewicht des Pferdes optimiert werden und Pferd und Reiter im Einklang miteinander kommunizieren können.



Donnerstag, 18. November 2010

Anfassen ein absolutes "No go"

 Von: Dominik (Rubrik: Musik)

„Die sind doch giftig oder?“ : Das ist normalerweise die erste Frage, die ich gestellt bekomme, wenn ich den Leuten von meinen „exotischen“ Haustieren – von Skorpione – erzähle. Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Ja, alle Skorpione sind giftig, ohne wenn und aber.

Allerdings unterscheidet sich die Giftwirkung der einzelnen Arten stark. So gibt es auf der einen Seite einige Arten, deren Giftwirkung mit der eines Bienestiches verglichen werden kann, aber auf der anderen Seite auch solche, deren Gift sogar für den Menschen gefährlich werden kann. Der Laie fragt sich jetzt natürlich, wie man solche Tiere freiwillig bei sich zu Hause halten und pflegen kann.
Hierfür gibt es eigentlich nur eine logische Erklärung: Faszination.




Skorpione: Eine exotische Faszination

Bei Skorpionen handelt es sich um Tiere, die es schon seit Jahrmillionen auf diesem Planeten gibt und die gelernt haben, sich selbst den extremsten Umweltbedingungen anzupassen. Warum sonst gäbe es wohl fast auf der ganzen Welt verteilt diese Spinnentiere? Ob unter großer Hitze in der Sahara, tropisch feuchten Regenwäldern in Südamerika oder in dunklen kalten Höhlen mancherorts in Europa – man findet sie überall.
Skorpione sind Überlebenskünstler, die auch problemlos ein halbes Jahr oder länger ohne Nahrung auskommen können. Und eben diese Faszination bewegt einige tausend Menschen in Deutschland dazu, sich diese Tiere daheim zu halten. Zumal die Anforderungen, Skorpione zu halten – verglichen mit anderen Haustieren – sehr gering sind. Normalerweise werden sie in einem Terrarium untergebracht (dessen Größe hängt natürlich von der Größe, der Art und der Anzahl der Individuen ab). Als Bodengrund dient je nach Herkunft Sand oder Erde. Einige Versteckmöglichkeiten, eine flache Trinkmöglichkeit und eine Terrarien-Beheizung am besten in Form einer Lampe – mehr braucht es im Groben nicht. Natürlich sind der gestalterischen Hand des Halters keinerlei Grenzen gesetzt. Viele verwandeln ihre Terrarien mit viel Liebe zum Detail in richtig naturnahe Wüsten oder Regenwaldausschnitte, was natürlich optisch auch toll zur Geltung kommt. Gefüttert wird etwa einmal wöchentlich mit Insekten aller Art (Heuschrecken, Schaben, Grillen etc.), die es in jedem guten Zoofachgeschäft zu kaufen gibt.
Natürlich sollte man zusätzlich noch einige Dinge beachten, wenn man wirklich mit dem Gedanken spielt, sich solche Tiere anzuschaffen. Zum einem gilt es, die gesetzliche Lage abzuklären, die in Deutschland je nach Bundesland verschieden ist und von einem kompletten Verbot über eine Einschränkung auf mindergiftige Arten bis hin zur absoluten Uneingeschränktheit reichen kann. Dann sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Skorpione zum einen oft sehr versteckt leben und meist erst gegen Abend zu sehen sind, und zum anderen, dass es sich hierbei um reine „Anschauungstiere“ handelt.
Die Tiere auf die Hand nehmen oder anfassen ist ein absolutes „No Go“. Für so was gibt es Hamster und Kaninchen! Auch ist es ein absolutes Muss, sich vor der Anschaffung ausreichend zu informieren und keine überstürzten Spontankäufe zu tätigen.
Hat man alle notwendigen Informationen zusammengetragen und sich vielleicht auch schon für eine Art entschieden, gilt es vor der endgültigen Anschaffung zunächst einmal die zukünftige Behausung (also das Terrarium) einzurichten, einen Probelauf zu machen (stimmt die Temperatur, Luftfeuchtigkeit etc. ?) und natürlich – falls noch nicht vorhanden – Zubehör, wie z.B. eine lange Pinzette anzuschaffen, welche zum füttern und umsetzen des Tieres dient. Den Skorpion selbst erwirbt man am besten auf einer Terraristikmesse von einem Züchter oder nimmt Kontakt mit einem solchen über diverse Forenplattformen auf.
Einen Kauf in einem „Zoofachgeschäft“ kann ich nicht empfehlen, da die Tiere dort meist Wildfänge sind, außerdem völlig überteuert und zumeist falsch gehalten werden.

Beachtet man all die oben genannten Dinge, kann man sich etwas später an einem wirklich interessanten und pflegeleichten Haustier erfreuen.
Sollte ich euer Interesse geweckt haben, kann ich euch folgende Informationsquellen empfehlen:

Internet: www.skorpione.de (Forum)
Bücher: Skorpione im Terrarium von M. Watz oder für diejenigen, die der englischen Sprache mächtig sind und etwas Anspruchsvolleres suchen: „Scorpions of the World“ von R. Stockmann und E. Ythier

Und bei Fragen rund ums Thema könnt Ihr mir auch mailen: dominik-facetoface@web.de

Samstag, 13. November 2010

Pokal oder Vertrauen des Pferdes?

"Die Kunst sollte immer der Natur folgen, sich ihr NIEMALS widersetzen."

Nach dieser Devise arbeitet Philippe Karl, der französische Reitmeister, der sich für die Alternative zu der Reitausbildung der FN, die „Ecole de Légereté“ (Schule der Leichtheit) einsetzt.
Einerseits analysiert Karl, beispielsweise in seinem Werk „Irrwege der modernen Dressur“ die heutigen Zustände im Reitsport auf Grundlage der Kenntnisse der Anatomie und Psychologie des Pferdes. Andererseits gibt er sich nicht nur mit dieser Kritisierung zufrieden, sondern schlägt im Interesse des Pferdes eine sinnvolle Alternative vor.
Es müsse vor allem wieder die Notwendigkeit des Respekts gegenüber dem Pferd betont werden, so Karl in seinem Buch. Die Reiter sollten jegliche Zwangsmittel zur Manipulierung des Pferdes ablehnen, dafür aber pädagogische Intelligenz einbeziehen.





"Le cheval est le meilleur des maitres."

„Das Pferd ist der beste unter allen Lehrmeister“ : Das ist in jedem Fall zutreffend. Wer schlecht mit seinem Pferd umgeht, den wird das Pferd lehren, dass er so nicht weiter kommt. Wer sein Tier respektvoll behandelt, dem wird dieses Wesen entgegenkommen und mit dem Menschen auf ein Ziel hinarbeiten.

 

Im heutigen Dressursport ist es leider nur so, dass die Pferde gewinnen müssen oder sie zerbrechen, denn der Wettbewerb geht über alles. Doping ist da nur ein willkommenes „Hilfsmittel“ (Erkrankungen des Bewegungsapparats werden unterdrückt), da nur das Ergebnis zählt. Ist dieses schlecht, folgt die Nottötung und der Kauf eines neuen gut veranlagten Sportpferdes.
Nicht nur schade, sondern todtraurig ist das. Der edelste Begleiter des Menschen wird damit auf eine Investition ohne Seelenleben reduziert.

Die Kunst des Reitens muss wieder entdeckt, dem zu sehr ins Licht gerückten sportlichen Aspekt wieder weniger Beachtung geschenkt werden.
Denn um was geht es uns heute noch im Umgang mit dem Pferd? Um das Pferd oder den Pokal?
In jedem Fall besitzt das Pferd eine Seele und kann seinem Menschen sehr viel mehr geben, als ein Gewinn es je tun könnte.